Der Abstieg von 500px und die Gier nach „Likes“

Bots, Bots, überall Bots! Ich habe momentan den Eindruck, dass 80% der Likes, die meine Bilder auf meinen 500px-Accounts erhalten, von Bots stammen. Sprich, 80% der Nutzer haben das Bild gar nicht gesehen, sondern von einem Programm bewerten lassen. Aber selbst wenn sie es gesehen haben, haben sie das Bild eben  nur für eine Millisekunde gesehen. Wie soll jemand, der jeden Tag 15000 Bildern ein „like“ gibt in der Lage sein, in angemessener Weise ein Bild zu bewerten?

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Ein typischer 500px Screenshot – 13 „Likes“ für Spam

500px war mal ziemlich großartig, wenn es um die Bewertung der eigenen Bilder ging. Mann konnte ein Bild einfach nur „liken“, oder zu den Favoriten hinzufügen. Dafür gab es für ein Bild Punkte (für „Favorit“ ein bisschen mehr als für ein „like“, das machte die Sache interessant), aus welchem sich ein Score – der „Pulse“ ergab. Und dieser Pulse, der ging dann bis 99.9 und wurde dazwischen von 70 („upcoming“) und 80 („popular“) noch in Sektionen unterteilt. Das hatte alles seine Mängel, wie so alles im Leben, aber im großen und ganzen funktionierte das ziemlich gut, wenn man herausfinden wollte, wie gut das eigene Bild in der Außenwelt ankommt. Mensch, was hatte ich mich gefreut, als eins meiner Bilder es zum ersten Mal in die Rubrik „popular“ geschafft hatte, und was war ich enttäuscht, wenn manche Bilder danach, welche meiner damaligen Ansicht nach sehr gelungen waren, doch wieder nur bei 69.9 Punkten hängen blieb.

Klar, das System hatte seine Schwächen, so manch großartiges Bild blieb unter der magischen Grenze von 70 hängen, aber insgesamt war dieses System dann doch ganz hilfreich, wenn es darum ging herauszufinden, wie das eigene Bild bei anderen Menschen ankommt.

Irgendwann entschloss sich 500px, dieses System zu vereinfachen. „Like“ und „Favorit“ wurden aufgelöst, stattdessen gibt es nur noch „Like“ mit dem Versprechen, dass es sich auf den „Pulse“ nur minimal auswirkt. Nun ja, die Realität sieht heute anders aus. War es früher eine richtige Leistung, in „popular“ zu kommen, kriegt heute nahezu jedes neue hochgeladene Bild einen Wert von mindestens 80. Diese sinnvolle Aussortierung von schlechten Bildern, die 500px so einzigartig machte, das klappt heute nicht mehr. Heute hat 500px was von „everyone get’s a trophy day“. Das Alleinstellungsmal von 500px – die nachvollziehbare Bewertung der Bilder – ist leider dahin. Aus Sicht von 500px macht das ja Sinn – jeder noch so untalentierte Fotograf darf sich glücklich fühlen, dass sein Bild „popular“ ist. Das hat was von Kundenbindung. Der vermeintliche Erfolg lädt dazu ein, noch mehr Bilder hochzuladen. Aber für mich ist es ein Verlust, wenn diese Differenzierung der Qualität der Bilder nicht mehr stattfindet.

Und es ist noch schlimmer – eingangs habe ich es schon erwähnt: Die Community ist verseucht durch Bots. Und es müssen Bots sein. Ich habe Profile entdeckt, die jeden Tag bis zu 15000 Bilder gelikt haben.

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Ein typischer 500px Screenshot – ein scheinbar leicht zu beeindruckender Benutzer hatte heute 12.000 Bilder positiv bewertet

Mit dem klaren Hintergrund – je mehr Likes man selbst gibt, desto mehr Likes kriegt man auch zurück. Das wiederum steigert den „Pulse“. Das ist die Krux bei nahezu allen mir bekannten  Fotocommunitys, ganz egal ob Flickr, Youpic oder Instagram: die „likes“ werden nicht mehr vergeben, um die Werke von anderen zu würdigen, sondern nur um andere Menschen auf sein eigenes Profil zu locken. Leider führt das zu einem krassen Verlust der Qualität der Bilder. Wer die meisten „likes“ abgibt, kriegt auch die meisten „likes“ zurück. Die Front-Page von 500px war mal ein Ort der Magie. Bei jedem Bild, dass einen Pulse von 99.9 stellte sich mir die Frage: „wie zum Teufel hat er das gemacht!?“…. Heute ist die Qualitätsdichte bei weitem nicht mehr so hoch. Es sind immer die selben Fotografen, die es irgendwie geschafft haben, Hunderttausende von Followern zu generieren, die alles „liken“ und so jedes Bild auf die Frontpage bringen. Leider sind bei den „Top-Bildern“ mittlerweile auch viele dabei, die zwar gut gelungen sind, aber sicher nicht in der Elite mitspielen.

Leider scheint das alles 500px nicht weiter zu kümmern – trotz vieler Hinweise und Beschwerden in den 500px-Foren. Der Schaden ist eigentlich auch irreparabel – zu viele mittelmäßige Fotografen blockieren dank massig Followern den Weg zu hohen Bewertungen. Gleichzeitig wird 500px kaum Profile löschen, die gut mit Bildern gefüllt sind, viele Follower bündeln und natürlich auch bezahlt sind. Und da im Internet Traffic alles ist (Werbekunden und so…) ist 500px wohl egal, wie dieser zustande kommt. Hauptsache, die Zugriffszahlen ebben nicht ab, egal ob sie von echten Benutzern oder von Bots kommen.

Ich für meinen Teil weiß noch nicht, wie lange ich mir das anschaue. Ich habe momentan immerhin knapp 1400 Follower und folge selbst ca. 600 interessanten Fotografen. Dieses Netzwerk aufzugeben wäre ein Schuss ins eigene Bein, vor allem da kaum ein Foto-Netzwerk von diesem grundsätzlichen Problem – der Gier nach Likes – nicht betroffen ist. Also werde ich mir das erstmal weiter anschauen und hoffen, dass 500px vielleicht doch noch die Kurve kriegt.

 

 

Das Bild der Woche KW 2018-23

Down Around Frank’s Bend

Frankholzhäuschen, Wuppertal, Mai 2017

Down Around Frank's Bend

  • Sony ILCE-7M2
  • FE 28mm F2
  • ƒ/3.5
  • 28.0 mm
  • 1/60
  • ISO 200

So unschön, heruntergekommen und unangenehm Wuppertal manchmal anzusehen ist – vor allem an der B7 Talachse mit all seinen Mietshäusern, die wenigstens mal einen neuen Anstrich bekommen sollten – so schön kann Wuppertal sein, wenn man sich mal aus dem Tal heraus bewegt. Auf der einen Seite Kohlfurth, Cronenberg, Lichtscheid, Ronsdorf, auf der anderen Seite der Dönberg, Katernberg, Uellendahl… es lohnt sich, einfach mal das Auto irgendwo abzustellen und in die Gebiete hineinzugehen, die abseits der viel befahrenen Routen stehen. Meistens – nicht immer – lohnt es sich, seine Kamera dabei zu haben.

Spiel mit alten Linsen: Helios 44-5 58mm

„THe Helios Backlight“

im Wald mit der Helios 44-5, adaptiert auf M43.

Helios Backlight

  • Olympus EM10
  • Helios 44-5 @ f4 (per Adapter)
  • f4
  • ISO200
  • 1/320

Diese alten Sowjet-Linsen sind eigentlich ziemlicher Mist. Bei Offenblende sind sie so weich, dass sie kaum zu gebrauchen sind. Abgeblendet auf f4 wird die Bildqualität dann ganz passabel, aber dann wäre die Frage, was man mit 58mm Brennweite so anstellt. Für Landschaften ist mir das zu lang, für Portraits eigentlich zu wenig, und bei Street möchte ich nicht über 50mm gehen.

Dann wiederum mag ich es, mit einem Tele in den Wald zu gehen und einfach mal „reinzuhalten“. Und dann macht dieses Objektiv dann doch wieder Sinn – nämlich, wenn es an einer M43-Kamera adaptiert wird. Im meinem Falle die OMD EM10. Denn so wird aus dieser 58mm Brennweite, bedingt durch den Crop Faktor, plötzlich eine 116mm Brennweite.

Die Bildqualität ist dann immer noch eher zweifelhaft, zumindest im Vergleich mit den modernen superscharfen Festbrennweiten, die man so für relativ günstiges Geld bekommen kann. Aber ach, irgendwie macht diese 20€  Linse  dann doch wieder so traumhafte verträumte Bilder, dass ich sie nicht missen möchte.

Das Bild der Woche KW 2018-22

„Road in the Sky and Road on the Earth“

Frankholzhäuschen, Wuppertal, Germany

Road in the Sky and Road on the Earth

  • Sony ILCE-7M2
  • Sony FE 28mm F2
  • ƒ/3.5
  • 28.0 mm
  • 1/60
  • ISO 160

Dieses Bild ist entstanden im Frühling im letzen Jahr, mit meiner damals noch frischen A7MK2. Eigentlich war ich auf der Suche nach Rapsfeldern, die ich von der Autobahn aus gesehen hatte. Auf dem Weg dahin – in der Ecke Wuppertal Katernberg / Aprath am Frankholzhäuschen, entdeckte ich dieses kleine Häuschen mit einem so schönen Sonnenuntergang. Ich hatte da noch kein Ultraweitwinkel, so dass ich mehrere Fotos (ich glaube 5 oder 6) zu einem Panorama in Lightroom zusammengefügt habe. Der Himmel hat einen kleinen Fischaugen-Effekt. Er war tatsächlich ganz gerade, dieser Effekt erst durch das Zusammenfügen der Bilder in Lightroom. Meiner Ansicht nach gibt dieser kleine Fehler aber dem Bild etwas besonderes.

PS Den Titel dieses Bilder verdanke ich https://500px.com/victoriaartamonova, einer tollen Fotografin aus Russland, die dieses Bild auf 500px so nett kommentiert hatte. Vielen Dank dafür! 🙂

Das bin ich.

Mein Name ist Adam Wallach, ich bin 38 Jahre alt und arbeite als Betreuungskraft bei der Lebenshilfe in Wuppertal Cronenberg. Um 2012 herum habe ich begonnen, das Thema Fotografie als Hobby für mich zu entdecken. Damals noch inspiriert von der Lomografie-Szene, fing ich an, mit einer Holga-Kamera und abgelaufenen Filmen zu arbeiten. Irgendwann habe ich aber dann doch eine digitale Spiegelreflex gekauft und begann, „ernsthaft“ zu fotografieren. Anfangs waren die gelungenen Fotos noch reine Glückstreffer. Wenn ich etwas Interessantes gesehen habe, habe ich schlicht „nach Gefühl“ fotografiert, ohne wirklich zu wissen, was ich da tue. Erst nach und nach habe ich autodidaktisch meine Fähigkeiten entwickelt. Erlernt habe ich alles durch eigenständiges Üben, aber auch durch Feedback in Internetforen und das Schauen von Tutorial-Videos. Heute weiß ich viel mehr über den Zusammenhang von Licht, Komposition und Perspektive als noch am Anfang, weiß aber dennoch, dass die Fotografie ein Prozess des stetigen Dazulernens ist.

Das Fotografieren dient für mich in erster Linie als Entspannung. Als jemand, der immer wieder die Ruhe in der Natur sucht, kann ich bei einem Spaziergang mit einer Kamera zur Hand komplett abschalten. Oft vergesse ich dann die Zeit und bin dankbar für meine Freundin, die dann trotzdem die nötige Geduld hat und mir den Freiraum lässt, mich bei einem schönen Motiv „auszutoben“.

Meine Motive finde ich hauptsächlich in Wuppertal und in der Umgebung. Auch nach Jahren entdecke ich in der Region immer wieder neue und schöne Orte, bei denen es sich lohnt, zum Sonnenuntergang auf ein

dramatisches Licht zu hoffen. Aber auch meine Urlaubsorte wähle ich meist danach aus, ob es dort interessante Motive gibt, zu denen sich ein Ausflug lohnt.

Auf meiner Website unter www.photoadam.de habe ich meine besten Fotos versammelt. Ich freue mich über jeden Besucher, der sich meine Fotos anschauen möchte.