„Iconic Shots“ – kann man ein Motiv zu Tode fotografieren?

Mein persönlicher „Iconic Shot“ – der Kölner Dom bei Nacht.
Samsung NX300
Kit-Objektiv @ 18mm 
80s f14 ISO100

Die Liste ist lang, und wahrscheinlich jeder Fotograf hat das Motiv schon mehrfach gesehen: Beelitz Berlin, Kirkjufell, Reschensee, Hallstatt, Mesa Arch, Toskana, Zaanzee Schans, Venedig, immer die gleiche Häuserfront in Amsterdam bei Nacht, immer die gleiche Bootshütte am Prager Wildsee. Als aktiver Nutzer von Fotocommunitys sehe ich immer wieder die gleichen Motive.

Immer die gleichen Fotos, immer die gleichen Motive, immer bei gleichem Licht aus der gleichen Perspektive. Auch ich bin davon nicht befreit: ich habe Ende 2015 mein ganz persönliches Klischeemotiv vom Kölner Dom bei Nacht gemacht.
Wahrscheinlich liegt es in der Natur des Menschen, alles nachzuahmen, was schön und gelungen ist. Und als Fotograf will man selbst diesen „Big Shot“ für sein Portfolio haben, also eins von diesen Motiven, welches man als Anfänger noch so ehrfürchtig betrachtet hat und sich gedacht hat: „wie zum Teufel kriegt man sowas hin!?“. Aber als ein aktiver Nutzer in Fotocommunitys werde ich es langsam müde, immer und immer wieder das gleiche Foto zu sehen. Ich frage mich dann, ob es denn überhaupt noch eine Herausforderung ist und fotografisches Können beweist, wenn man ein Motiv so darstellt, wie es bereits zig andere vor einem gemacht haben?

Meiner Ansicht nach sollte man sich irgendwann davon lösen und versuchen, ein Motiv in einer Art und Weise darzustellen, wie es noch keiner zuvor gemacht hat. In einer Art und Weise, die vielleicht nicht ganz so offensichtlich ist. Vielleicht auch mit dem Risiko, dass es nicht ganz so schön aussieht und das lobende „aaah“ und „ooh“ und „wie schön“ aus dem Familienkreis ausbleibt. Denn auf einen Parkplatz in der Nähe des Motivs zu parken, ohne vorher wirklich recherchiert haben zu müssen, wie man überhaupt hin kommt, ohne erst ein bisschen durch die Pampa gelaufen zu sein, das ist für mich mittlerweile einfach zu leicht. Wahrscheinlich würde ich schon noch eins von diesen „Iconic Shots“ machen, wenn ich mich um die Gelegenheit dazu bemühen würde. Aber eben das ist es ja: Kirkjufell, Hallstatt & Co sind mittlerweile so von Fotografen und Instagram-Touristen überlaufen, dass ich überhaupt keine Lust mehr habe, da noch hinzufahren. Und viel wichtiger: es bringt mich als Fotografen einfach nicht weiter, das zu machen was so viele Menschen vor mir schon gemacht haben.  Solche „Iconic Shots“ sind für mich eine Art „Malen nach Zahlen“ für Fotos: es kommt mit Sicherheit ein schönes Ergebnis dabei raus, aber es ist dennoch alles vorbereitet, es ist keine eigene Leistung oder Kreativität, die das Endprodukt so gelungen macht.

Ich möchte dazu aufrufen, von diesen Klischeebildern Abstand zu nehmen. Es gibt mittlerweile zu viele Orte, die zu Tode fotografiert werden. Es bringt einem weder die Erhoffte Aufmerksamkeit in den sozialen Medien, noch bringt es einen in seiner Kreativität selbst weiter. 

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